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Die ewige lähmende Angst vor dem Crash

In letzter Zeit werde ich immer öfters von Lesern gefragt: “Was machen wir, wenn die Märkte crashen?” Eine Frage, die zwar legitim ist, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Crashs eine extrem seltene Angelegenheit sind, sollte man sich nicht lieber die Frage stellen: “Wie agiere ich an den Märkten, wenn sie nicht crashen?!” Das wäre die viel wichtigere Frage, um langfristig an den Börsen erfolgreich zu sein. Der “fehlende” Crash sozusagen, ist ja in 99,9% der Fälle unser Begleiter.

Bereits Anfang 2016 gab es Leser, die mir mitteilten: “Herr Ludwig, ich finde Ihre Strategien sehr gut, aber bevor ich sie handle, warte ich auf den nächsten Crash. Dann kann ich billiger einsteigen.” Diese übervosichtigen Leser haben mindestens 3 Jahre lang Rendite verpasst. Vermutlich sind es eher 5 Jahre. Ich glaube, dass man mit dieser Einstellung entweder nie im Markt investiert ist oder oft zum falschen Zeitpunkt.

Ein “Mini-Crash” gab es im letzten Quartal 2018. Ich bezweifle, dass diejenigen, die auf den Crash gewartet haben, damals eingestiegen sind. Warum? Weil in solchen schweren Marktphasen die Medien eine regelrechte Panik verbreiten. Nur die wenigsten Anleger können sich davon distanzieren und haben dann den Mut, ihren Vorsatz umzusetzen und in Zeiten schwacher Märkte zuzuschlagen. Genauso traute sich kaum ein Kleinanleger, im März 2020 Aktien zu kaufen.

Wenn das Ego verletzt ist

Das schlimme dabei ist, dass es oft dieselben Anleger sind, die dann an Markthochs einsteigen. Sie merken, dass sie bereits viel Rendite verpasst haben. Die Märkte laufen seit Monaten oder Jahren sehr gut, und sie waren nicht dabei. Das lässt einen grübeln; das Ego ist verletzt. Wenn man jetzt doch noch einsteigt, bekommt man vielleicht doch noch ein Stück des Kuchens. Und siehe da, der Anleger, der ursprünglich Angst vor dem Crash hatte, warten wollte, aber es doch nicht mehr aushielt und spät in die Märkte einstieg, wird zum Pechvogel. Hier kommt dann der Crash oder der Bärenmarkt.

Mein Rat an dieser Stelle ist ganz einfach: Warten Sie nicht auf einen Crash, um zu investieren oder zu handeln. Das Risiko, dass Sie viel Rendite liegen lassen, ist zu groß. Studien haben gezeigt, dass der Versuch, den perfekten Zeitpunkt zu finden, um in den Markt einzusteigen, zum Scheitern verurteilt ist.

Denken Sie lösungsorientiert

Lassen Sie sich nicht von einem potenziellen, hypothetischen Problem lähmen. Denken Sie rational und lösungsorientiert. Es gibt an den Börsen unzählige Strategien, um einen Crash oder einen schwarzen Schwan zu überleben. Hiermit einige Beispiele:

  • Handeln Sie Optionen. Stillhalter-Strategien wie Cash-Secured Puts enthalten Sicherheitspolster, die Kursrutsche (z.B. von 10%) abfedern. Geht es mit den zugrundeliegenden Aktien weiter bergab, gibt es Techniken wie das “Rollen”, die einen Trade über die Zeit retten. Ich habe es mit einem Cash-Secured Put selbst erlebt, dass ich den Trade gewinnbringend beenden konnte, obwohl die gehandelte Aktie zwischenzeitlich um 40% einbrach.

  • Bauen Sie sich ein Indikatoren-Cockpit auf. Suchen Sie sich aussagekräftige Indikatoren aus, die Ihnen ein Bild der Marktlage geben. Mischen Sie dabei die Kategorien dieser Indikatoren. Nutzen Sie z.B. Momentum-, Volatilitäts-, und Sentiment-Indikatoren. Wenn sie alle in die Richtung eines fallenden Markts zeigen, sichern Sie sich ab. Reduzieren Sie vorübergehend Ihre Investitionsgrößen, kaufen Sie meinetwegen Put-Optionen (auch wenn dies nicht die perfekte Absicherungsstrategie ist, es ist die einfachste) oder setzen Sie aktiv auf fallende Märkte mit Short ETFs z.B.

  • Halten Sie immer im Depot einen kleinen Anteil an Anlage-Instrumenten, die von einem fallenden Markt profitieren würden. Auch hier sind Optionen die erste Wahl.

  • Halten Sie immer Cashreserven zum Nachkauf bereit. Wenn die Märkte großflächig um 30% fallen, werden mit absoluter Sicherheit auch hochqualitative Aktien abgestraft. Crashs sind dann einzigartige Chancen, diese Aktien zum Schnäppchen zu ergattern. Dividenden-Titel können in solchen Situationen oft mit besseren Dividenden-Renditen erworben werden. Dieser Nachkauf unterscheidet sich von der Idee, sich komplett an der Seitenlinie zu positionieren und vergeblich auf den Crash zu warten: Man ist von Anfang an investiert, behält aber noch Schießpulver für den Nachkauf.

Trauen Sie sich zu investieren und zu leben

Die Börse ist in vielerlei Hinsicht mit anderen Bereichen des Lebens vergleichbar. Angst vor schlimmen Ereignissen lähmt, manchmal so sehr, dass man sich nicht traut zu leben. Aber Mut und Reflexion werden in der Regel belohnt. Trauen Sie sich: Investieren Sie und nutzen Sie Ihren Einfallsreichtum, um Risiken zu minimieren und souverän zu bewältigen.

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